Sonntag, 25. November 2007

Augenblick


Im Nebel


Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unentrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

Hermann Hesse



Montag, 12. November 2007

Back to Oslo (29.10.)

Dieser Eintrag ist nun der letzte Rückblick auf den Schwedenkurztrip und gleichzeitig der letzte für die nächsten Wochen, da die Klausurenphase immer näher rückt und ich noch eine ca. 10-seitige Arbeit bis zum 27. schreiben muss.
An diesem Wochenende gehe ich auf Hyttetur. Soll heißen 35 Studenten fahren für drei Tage zu einer etwas größeren Hütte in der Nähe von Oslo, haben billiges Bier und Cider zur Verfügung und gehen wandern. Das ist sehr schlecht fürs Lernen, da ich aber Erasmus-Student bin konnte ich zu dieser Tour nicht "nein" sagen. Die Wochen danach ist dafür umso mehr Lesen und Lernen angesagt.

Nun aber zurück nach Göteborg. An jenem Montag ging es gegen 12 Uhr in die Stadt - mit unserem gesamten Gepäck, das wir wieder einmal in den Bahnhofs-Schließfächern untergebracht haben. Um ein paar Kilo erleichtert führte uns der Weg ins Einkaufszentrum, wo wir ein paar touristische Kleinigkeiten kauften. Der wichtigste Programmpunkt an diesem Tag war jedoch der kleine Tierpark, wo es neben den üblichen europäischen Tierarten auch jene Geschöpfe zu sehen gab, die so charakteristisch für Schweden sind wie kaum eine andere Art: nämlich Elche! (siehe Fotos im Album "Sverige") Danach haben wir diesen Tag zusammen mit Mareike für einen kleine Rundgang in der Altstadt genutzt und uns mal wieder in ein gemütliches Café gesetzt.
Als die Zeit für unsere Abfahrt immer näher rückte, sind wir in Richtung Bahnhof gegangen und haben uns herzlich verabschiedet. Um unsere letzten schwedischen Kronen auszugeben, sind wir rüber ins Einkaufszentrum gelaufen. Sandra hat es geschafft das Geld für Kleinkram auszugeben, doch ich habe nichts gefunden was mir zugesagt hat. So habe ich jetzt ca. 90 SEK in meinem Raum liegen und bin unentschlossen was ich mit diesen tun soll. Mal gucken, vielleicht fahre ich im März nochmal kurz nach Göteborg - das liegt schließlich auf dem Weg nach Berlin.
Mit fünf Minuten Verspätung fuhren wir um 17:35 Uhr wieder zurück nach Oslo, wo wir gegen 21:30 Uhr ankamen.
Jene vier Tage haben mir sehr viel Spaß gemacht und eine Menge neuer Eindrücke beschert. Vielleicht sogar zu viele in zu kurzer Zeit. Besonders für Stockholm reichen zwei Tage nicht ansatzweise aus, um die Stadt kennenzulernen. Auch für Göteborg braucht man ein wenig mehr Zeit. Dafür habe ich jetzt eine ungefähre Vorstellung der zwei Städte und weiß dass ich eines Tages gerne mehr sehen möchte. Besonders in Stockholm gibt es eine Vielzahl von kulturellen und historischen Höhepunkten.
Dafür war es der mit Abstand billigste "Urlaub" den ich je gemacht habe, da die drei Busfahrten weniger als hundert Euro gekostet haben und ich mit 900 SEK (also ca. 100€) die vier Tage gut überstanden habe. Außerdem bot sich diese Fahrt auf Grund der Nähe der drei Städte förmlich an. Natürlich sollte man eine solche Fahrt nur unternehmen, wenn man sich mit dem oder der Begleiter(in) gut versteht. Insgesamt bin ich sehr froh, dass wir diese spontane Idee in die Tat umgesetzt haben. Ich kann diese Art des Reisens nur weiterempfehlen.

Sonntag, 11. November 2007

Gedankensplitter

"Wir zieh'n immer weiter,
denn wir sind Schattenreiter
auf unserem Weg ins Licht."

Die Tage werden kürzer, das Semester neigt sich dem Ende zu und ich wundere mich was mit der Zeit geschehen ist. Ist es wirklich schon November? Werde ich tatsächlich in einem Monat für kurze Zeit nach Berlin kommen? Es wirkt so seltsam, unwirklich und verwirrend.
Auf der einen Seite freue ich mich meine Familie und Freunde wieder zu treffen, mit ihnen zu reden, doch gleichzeitig fühle ich mich immer enger an diese Stadt gebunden. Der Charme ist ein anderer als in Berlin oder Stockholm: Auch wenn sich Oslo Hauptstadt nennt, so fühle ich mich mehr in einer Kleinstadt. Das Leben ist entspannter: keine überfüllten Bahnen, keine hupenden Kamikazeautofahrer und ein übersichtlicher Campus. Auch die Natur ist viel näher, schon des öfteren sind mir Eichhörnchen über den Weg gelaufen und eines Morgens konnte ich Rehe von meinem Fenster aus beobachten.

Jetzt beginnt langsam der Winter, das konnte ich diesen Morgen feststellen. Auch wenn es vom Nachspiel (und um Missverständnissen vorzubeugen: "Nachspiel" ist die Feier nach der Feier, also in kleinerer Runde bei jemandem zu Hause sitzen, Bier trinken, Kebap oder Pizza essen und sich im angetrunkenen Zustand über die wirklich wichtigen Dinge im Leben unterhalten) nach Hause nur ca. eine halbe Stunde Fußweg war, konnte ich meine Gesichtsmuskeln erst nach ein, zwei Minuten in der Wärme wieder spüren und bewegen. Ich freue mich auf den Schnee, den vereisten Sognsvann und die Langlaufloipen.

Mittwoch, 7. November 2007

Göteborger Stadionerlebnisse (28.10.)

Nach den traumatischen Erlebnissen in Jönkjöping, war es die reinste Freude morgens kurz vor acht in Göteborg anzukommen. Ein warmer Kaffe und vor allem eine warme Wohnung waren nicht mehr weit entfernt. Nach Stockholm, Kopenhagen, Helsinki und Oslo ist Göteborg mit ca. 485.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt im Norden.
Mit dem Zug ging es zwei Stationen raus aus Stadt, in den Vorort Partille. Dort trafen wir Mareike, die uns herzlich empfing. Mit ihr habe ich im Wintersemester 2005/06 mein Studium angefangen - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie die Kombination Schwedisch/Finnisch gewählt hattte, während meine Entscheidung auf Norwegisch/Isländisch fiel. Ihr Wohngebäude erinnerte mich dann wie so oft... an Marzahn: Ein zehngeschossiger Betongigant, von denen es in der Umgebung allerdings nicht allzu viele gab. Leicht ungewohnt ist das Fahrstuhlfahrgefühl (gibt es dieses Wort überhaupt ? ... egal), da die Schweden des öfteren auf die innere Tür verzichten.
In der Wohnung angekommen, war der Frühstückstisch schon hergerichtet. Mareike wusste gar nicht wie nötig wir diese Entspannung nach diesem besch******* Ort zwischen Göteborg und Stockholm hatten. Anschließend ging es dann in die Stadt, wo wir uns zunächst den Hafen anschauten. Beim gemütlichen Spaziergang durch Göteborg zeigte Mareike uns die interessantesten Orte der Stadt. Nach ein paar Stunden laufen ging es schließlich in das Café "Java".
Als finaler Programmpunkt für diesen Tag stand der Besuch des Saisonendspiels zwischen IFK Göteborg und Trelleborg an. Das Besondere an dieser Partie war, dass Göteborg Meister werden konnte. Glücklicherweise hatten wir Gratistickets erhalten und kamen ohne Probleme ins Ullevi-Stadion. Kontrollen wurden an dem Eingang nicht sehr ernst genommen, da ich mit meinem Trekkingrucksack ohne eine solche ins Stadion konnte.
Schon auf dem Weg zum Spiel regnete es. Und der Regen wurde mit der Zeit stärker. Auch der Wind nahm zu. Die zweieinhalb Stunden im kalten Wind und Regen waren nicht gerade das Angenehmste (besonders nach der vorigen Nacht), aber dafür wurde das Durchhaltevermögen mit dem Sieg Göteborgs und damit dem Meistertitel belohnt. Nach dem Abpfiff stürmten die Fans auf den Rasen, um mit ihren Spielern zu feiern. Die Nacht über wurde in der Stadt gefeiert. Davon haben wir nicht mehr viel mitbekommen, denn nach dem Spiel waren wir durchnässt, halb erfroren, müde und hungrig. Es ging also zurück nach Partille, wo wir kjöttboller mit Kartoffeln und Gemüse gegessen haben. Traditionell Schwedisch! Auch der anschließende Kuchen war nach einem schwedischen Rezept gebacken. Und so ging ein langer Tag ruhig und friedlich bei Kerzenschein zu Ende. Ab jetzt gibt es auch wieder neue Bilder im Album "Sverige".

Sonntag, 4. November 2007

Der Jönkjöping-Vorfall

Als Sandra und ich am 27.10. in den Bus Richtung Göteborg stiegen war noch alles in Ordnung. Der Bus war in gutem Zustand und wir hatten einen Platz mit zufriedenstellender Beinfreiheit. Uns war zwar auch bewusst, dass wir gegen 3:25 Uhr aussteigen müssen um zwei Stunden auf den nächsten Bus zu warten - doch dadurch konnten wir noch ein, zwei Stunden länger in Stockholm sein. Die letzte Direktverbindung wäre in den frühen Abendstunden gefahren.

Bis nach Jönkjöping lief alles so wie gedacht, doch an der Umsteigehaltestelle war das erste Problem offensichtlich: Die Bahnhofshalle war geschlossen und es gab keine andere Möglichkeit sich in einem warmen Gebäude aufzuhalten. Der Versuch in einem Hotel unterzukommen scheiterte, da der Rezeptionsmitarbeiter uns freundlich aber bestimmt abwies. Obwohl es nicht besonders kalt war - vielleicht 8 bis 10°: Gefühlt können die Temperaturen in dieser Nacht nicht über 0° gelegen haben.
Da saßen wir nun mit den anderen Umsteigenden vor dem Bahnhofsgebäude und warteten. Auf der anderen Straßenseite standen dunkle und zu dieser Tageszeit verlassene Bürogebäude. Ich weiß nicht genau wie, doch einer der anderen wartenden Fahrgäste hatte es nach ca. einer halben Stunde geschafft sich Zugang zu einem der Bürogebäude zu verschaffen. Zwei weitere folgten ihm, und ein wenig später auch Sandra und ich. Auch wenn der Flur nur schwach beheizt wurde, so war dieser Ort doch weitaus besser als der Bahnhofsvorplatz. Ich habe mich dann ein wenig mit den anderen drei Fahrgästen unterhalten, die alle Schweden waren. In dieser Situation habe ich zum ersten Mal meine interskandinavischen Sprachfertigkeiten in der Praxis probieren können, da ich natürlich Nowegisch gesprochen habe und Schwedisch verstehen musste. Das hat ganz gut geklappt und ne Weile haben die wirklich geglaubt dass ich Norweger wäre.
Nach ca. einer Stunde war die schöne warme Zeit dann leider vorbei, da ein Wachmann seine Routinekontrolle machte und uns rausschmiss. Doch da sollte es nach Fahrplan nicht mehr lange dauern bis der Bus kommen würde. Es wurde 5:35 Uhr... kein Bus in Sicht. Auf der Fahrt hatte wir zwei entgegengesetzte Infos erhalten: Die Umstellung auf Winterzeit würde erst die Busse betreffen die nach 6 Uhr fahren. Auf dem ersten Teil der Fahrt wurde uns erzählt, dass die Zeitumstellung zu einer weiteren Stunde Wartezeit führen würde. Letzters war die richtige Information, was nicht gerade zur Steigerung unserer Laune führte.

Drei Stunden mit sinnlosem Warten in einem kleinen, schwedischen Dorf zu verbringen, ohne die Möglichkeit eines warmen Aufenthalts zu haben gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen! Wer also jemals die Strecke Göteborg-Stockholm mit Bus fahren möchte, der sollte IMMER die Direktverbindung wählen. Doch immerhin, von den drei Stunden Wartezeit konnten wir fünf Minuten in der Wartehalle verbringen, da diese um 5:30 Uhr (Winterzeit) aufmachte.
Im nächsten Post geht es dann um den sehr schönen Aufenthalt bei Mareike in Göteborg.

P.S.:
Ich habe letzte Woche meine norwegische Personennummer erhalten. Jetzt bin ich also im "Folkeregister" erfasst und darf ein Konto anlegen. Außerdem wurde mein Erasmus-Aufenthalt bis März verlängert, wodurch ich keine Probleme mit meiner Wohnung beim Osloer Studentenwerk bekomme.
Am Freitag war ich bei der Eröffnung der früher erwähnten Ausstellung und habe Laila wieder getroffen. Es war sehr schön mal wieder mit der alten Lehrerin zu sprechen. Sie hat mich auch schon nach Kolbotn eingeladen, wir müssen nur ein passendes Datum finden.

Donnerstag, 1. November 2007

Stockholm zum zweiten (27.10.)

Im Gegensatz zur vorangegangenen Nacht konnten wir dieses Mal richtig schlafen. Erholt und bereit für weitere touristische Highlights ging es nach der Verabschiedung von Jenny wieder in die Stadt. Unser Gepäck verstauten wir in einem der Bahnhofsschließfächer.
Den Großteil des Nachmittags brauchten wir für die Erkundung des Moderna Museet. Hier wird moderne Kunst ausgestellt, also von Picasso bis Warhol findet man fast alles was Rang und Namen hat. Kurz vor fünf verließen wir das Museum. Als nächstes stand H&M auf dem Programm. Davon findet man in Stockholm an fast jeder Straßenecke mindestens einen, was Sandra natürlich sehr gefiel. Auf dem Weg machten wir noch einen Schlenker in einen der vielen Süßigkeitenläden.
Die meisten Geschäfte in der Innenstadt haben am Samstag nur bis 17 oder 18 Uhr geöffnet, weshalb Sandra nur eine gute Stunde für H&M hatte. Überraschenderweise haben wir sogar weniger Zeit gebraucht, denn die Lederjacke die sie haben wollte kostete dann doch so viel, dass ihr Kauflust einen argen Dämpfer erhielt. Außerdem meldete sich dann unser Magen. Es war Zeit etwas zu essen.
Nach kurzer Suche fanden wir ein Haus, das vollständig aus Restaurants besteht. Von Griechisch über Italienisch bis Amerikanisch gab es für jeden Geschmack etwas. Unsere Entscheidung fiel auf die billigste Möglichkeit: Thailändisch. Eiernudeln mit gebratenem Hünchenfilet kosteten nur 75 SEK (8€). Die restlichen Stunden des Abends verbrachten wir dann in einem sehr gemütlich eingerichteten Pub. Im Album "Sverige" (siehe Post "Die erste Nacht, die erste Fahrt") sind jetzt Fotos vom "Katarinahissen" (Katarina-Aufzug) zu sehen. Im nächsten Post zum Schwedentrip gibt es Informationen zu einer langen, kalten und ungemütlichen Nacht in Jönkjöping.

Norwegisch-Lektorin

Gestern habe ich mich getraut: Ich habe meine alte Norwegischlektorin angerufen. Eigentlich wollte ich ihr eine E-Mail schicken, doch die Adresse die ich habe funktioniert nicht. Somit blieb nur die Möglichkeit des Anrufens. Ich habe sie seit einem Jahr nicht mehr gesehen und war nicht sicher ob sie sich überhaupt erinnert. Andererseits kam es mir wie eine moralische Pflicht vor, denn Laila war immer so nett, gut gelaunt und sympathisch. Und sie wohnt nur ein paar Kilometer außerhalb von Oslo.

Der Anruf war kurz, aber erfolgreich. Am Freitag wird eine Ausstellung mit deutschem Bezug in der Nationalbibliothek eröffnet. Laila wird dort das Buch vorstellen, was sie zusammen mit Studenten während ihrer Zeit in Berlin erarbeitet hat. Ich freue mich sie wieder zu sehen und endlich Norwegisch mit ihr zu sprechen. Zwar musste ich das schon im Norwegisch-Sprachkurs bei ihr machen, doch seitdem haben sich meine Sprachfertigkeiten verbessert.

Mittwoch, 31. Oktober 2007

Die erste Nacht, die erste Fahrt

Die schwedische Städtereise begann am 26.10. im Busbahnhof Oslos. Sandra und ich hatten uns gegen 22:30 Uhr dort verabredet. Der Bus fuhr dann pünktlich um 23 Uhr ab. Nach gerade einmal anderthalb Stunden hatten wir die schwedische Grenze passiert, doch die nächsten fünfeinhalb Stunden streckten sich. Ich habe ein wenig gedöst.
Gegen halb sieben erreichte der Bus dann sein Ziel, den Stockholmer Busbahnhof. Ein wenig verschlafen verließen wir den Bus und gingen zum nächsten Geldautomaten. Schließlich konnten wir in Schweden nicht mit norwegischen Kronen bezahlen. Jetzt mussten wir nur noch ein Café zum Brunchen finden. Unsere Entscheidung fiel auf "Waynes Coffee" im Hauptbahnhof.
Nach einem guten, pechschwarzen Kaffee fühlte ich mich wieder wie ein Mensch und war bereit nach "Västra Skog" zu fahren, da dort die StudiVZ-Freundin wohnte. Nachdem wir dort unsere Sachen abgestellt haben und uns unterhalten hatten, ging es in die Innenstadt.
Dort führte uns unser erster Weg nach "Gamla Stan", also in die Altstadt. Leider war das Wetter nicht optimal, da es den ganzen Tag bedeckt war. Doch trotz schlechtem Wetters war es sehr interessant die geschichtsträchtige Altstadt Stockholms zu sehen. Oslo kann in dieser Hinsicht nicht mithalten.
Unser Mittagessen haben wir im Restaurant mit dem goldenem M zu uns genommen, was nicht mal nicht viel teurer war als in Deutschland. Interessanterweise sind die Toaletten in Schweden oft sehr minimal geplant. Der McDonalds in dem wir waren war mit Sicherheit für ca. 100 Menschne konzipiert und es gab eine Sitztoilette sowie zwei Pissoirs. In Bars und anderen Restaurants sieht es nicht anders aus.
Uns wurde vor der Fahrt mehrmals empfohlen ins Vasamuseum zu gehen, also taten wir das auch. Kern des Museums ist die "Vasa", ein Prachtschiff das bei seiner Jungfernfahrt im Jahre 1628 direkt vor Stockholm sank. Mit viel Aufwand wurde es geborgen und zum Ausstellen präpariert. Ich kann das Museum nur empfehlen, die Geschichte um das Schiff ist sehr spannend und informativ aufgearbeitet.
Der Abschluss dieses Tages war ein Besuch des "Globen", welcher ein Veranstaltungszentrum am Rande Stockholms ist. Wie der Name erahnen lässt, hat das Gebäude die Form einer Kugel. Gegen 19 Uhr waren wir wieder zurück im Studentenwohnheim, haben Abendbrot gegessen und uns dann schlafen gelegt. Zwar waren wir noch zu einer Party eingeladen, doch auf Grund der Busfahrt und des langen Tages hatten wir keine Lust feiern zu gehen. Zumal die nächste Nacht eine noch viel interessantere Busfahrt versprach...

Sverige

Dienstag, 30. Oktober 2007

Vier Tage Schweden

Von letzten Freitag bis Montag war ich in Schweden. In den nächsten Blogeinträgen werde ich meine Eindrücke von Stockholm und Göteborg schildern und auch Bilder hochladen. In diesem Eintrag sage ich kurz etwas zur Entstehung und Planung dieses Kurztrips.

Es war Anfang September, als Sandra und ich mal wieder morgens um 10 in der Kafeteria der Sozialwissenschaftlichen Fakultät saßen um Kaffee zu trinken. Wir unterhielten uns über unsere Eindrücke hier in Oslo und den Besuch den wir noch erwarten. Dabei kamen wir auf die Orte zu sprechen, die wir noch gerne besichtigen wollten. Sandra hatte fest vor, nach Stockholm zu fahren und ich spielte mit dem Gedanken Mareike in Göteborg zu besuchen. Warum sollten wir das also nicht miteinander verbinden?

Über das StudiVZ hatte ich eine Studentin in Stockholm kennengelernt, die ihre Wohnung zur Übernachtung anbot und dafür im Gegenzug nach Oslo kommen möchte. Somit mussten nur noch die Busfahrten gebucht werden. Das haben wir Anfang Oktober erledigt, hier die Zeiten:

Oslo - Stockholm (25.10.2007): 23:00 bis 06:20 Uhr

Stockholm - Jönköping (27.10.2007): 22:50 bis 03:25 Uhr
Jönköping - Göteborg (28.10.2007): 05:35 bis 07:40 Uhr

Göteborg - Oslo (29.10.2007): 17:30 bis 21:30 Uhr.

Was auf einer solche Tour passieren kann, wie eine Zeitumstellung zu Aggressionen führen kann und welche Sehenswürdigkeiten wir innerhalb der vier Tage gesehen haben gibt es in den nächsten Einträgen.

Sonntag, 21. Oktober 2007

Eine lange Nacht

Im Norwegisch-Sprachkurs muss ich ein Buch von Erlend Loe lesen: "Naiv.super." Der Roman ist sehr empfehlenswert. Eines der Hauptelemente in der Geschichte sind die Listen der Hauptperson. Diese neigt dazu beinahe alles (seien es die Dinge die ihn in jungen Jahren begeistert haben oder Themen über die er besonders viel weiß) in langen Aufzählungen auszudrücken. In diesem Stil möchte ich meine letzte Nacht ausdrücken:

- eine Party
- zwei Clubs
- drei Taxifahrten
- zwei Feueralarme
- sechs Bier
- ein harter Kern
- vier Norweger
- ein Deutscher
- neun Stunden.

Bevor ich anfange: Ich studiere hier natürlich auch und könnte u.a. über die Auffassung von Sprache und Kultur im Rahmen der Nationalitätsdebatte in Norwegen im 19./20. Jahrhundert berichten.... doch ich verzichte darauf. Letzte Woche habe ich den ersten Entwurf meiner Semesteraufgabe eingereicht und werde heute bzw. morgen noch zwei Kommentare zu Entwürfen von den anderen Studierenden schreiben. Ansonsten habe ich in der letzten Woche mal wieder viel gelesen, geschrieben und fleißig Norwegisch geredet. Ach ja, natürlich koche ich weiterhin mein Wasser. Allerdings schmeckt das so ekelhaft, dass ich schon mit dem Gedanken spiele einen 10 Liter Wasserkanister zu kaufen...

Jetzt aber zur letzten Nacht. Ich war zu einer Party bei Norwegern eingeladen, die ich während der ersten Uni-Woche kennengelernt hatte und seitdem des öfteren im Studentenclub der Humanistischen Fakultät getroffen habe. Der Ort war ein wenig abgelegen, doch ich habe es geschafft das Haus zu finden und kam ungefähr gegen acht Uhr an. An dem Abend war ich der einzige Nicht-Norweger dort und hatte viele interessante Gespräche. Gegen halb eins kam dann die Idee auf, weiterzuziehen. Warum nicht?
Also wurden zwei Taxis bestellt, um zum Zentrum zu fahren. Aus den acht Leuten wurden nach dem ersten Club nur noch fünf, der Rest ist dort geblieben oder einfach verschwunden. Nachdem gegen drei Uhr in der Garage (siehe Post zum Beatsteaks-Konzert) die Lichter angingen, meinte der zweite Christian der Gruppe er kenne da noch jemanden in der Altstadt. Da könnten wir weiterfeiern... gesagt, getan. Doch die Party dort war schon vorbei, was man an dem Mangel an Menschen und der Vielzahl an Bierdosen und - flaschen ablesen konnte. So blieben wir nicht lange und nahmen mal wieder ein Taxi, welches uns schlussendlich nach Hause brachte. Gegen fünf Uhr kam ich dann in Sogn an. Ich lag vielleicht fünf Minuten im Bett, als mich das sanfte Scheppern unseres Feueralarms unsanft weckte. Anscheinend haben wir ein kleines Problem mit der Technik, denn es war der dritte Alarm innerhalb von zwei Tagen. Bevor ich nach Hause kam, gab es schon einen Alarm gegen 2 Uhr. Nun ja, dafür habe ich heute umso länger geschlafen.
Morgen werde ich erfahren ob ich meine "Qualifizierungsaufgabe" für einen meiner Kurse bestanden habe.

Mittwoch, 17. Oktober 2007

Kontaminiertes Trinkwasser!

Seit heute wird jedem Bewohner in Oslo strengstens empfohlen, sein Trinkwasser vor der Benutzung zu kochen. Das gilt für das Trinken genauso wie für's Zähne putzen oder Kochen. Bereits seit letztem Freitag ist Leitungswasser aus der Region mit Parasiten (Giardia intestinalis) verseucht. Allerdings ist die Warnung erst heute Morgen an die Öffentlichkeit gegangen, da bei Proben am Wochenende keine Verunreinigungen festgestellt wurden. Neuere Proben zeigten dann jedoch eine hohe Konzentration von Bakterien und Parasiten.
Bereits 2004 hatte ein ähnlicher Vorfall in Bergen zu einer kleinen Epidemie geführt, bei der mindestens 6000 Menschen erkrankten. Daher ist die Reaktion in Oslo sehr strikt, es ist nicht mal mehr möglich Kaffee in der Kafeteria zu erhalten (zumindest bei den Sozialwissenschaftlern). Laut Aftenposten erwärmen moderne Kaffeeautomaten das Wasser nur bis zu 70 oder 80° - das ist nicht genug um die Bakterien zu töten. Noch habe ich nichts über die Dauer dieses Zustandes gehört, doch bis auf weiteres muss ich Leitungswasser vor der Nutzung kochen. Und wer weiß, vielleicht bin ich ja schon infiziert...

Samstag, 13. Oktober 2007

Besuch

Letzte Woche hatte ich von Montag bis Donnerstag Besuch. Ein Freund aus Schulzeiten kam nach Oslo, um seinen Norwegen-Urlaub hier abzuschließen. Zuvor war er mit seinem Vater in Nordnorwegen angeln gewesen und hatte bei seiner Ankunft schon 14 Stunden Autofahrt hinter sich. Daher begann die Stadtführung erst am Dienstag.
Das Programm war intensiv: Zunächst ging es zum Jernbanetorget, dem Hauptbahnhof in Oslo, wo ich mir eine neue Monatskarte gekauft habe. Der stolze Preis (wie die letzten zwei Monate): 430 kr. (ca. 56 €). Von dort aus kann man die Karl Johans Gate bis zum Schloss hochlaufen. Diese Prachtstraße ist gesäumt von verschiedenen Touristenläden, einem Burger King, einem HardRock-Cafe, mehreren Hotels und dem historischen Hauptgebäude der Universität Oslos. In Letzterem verkehren nur die Juristen, der Hauptcampus der Uni ist weiter nördlich im Stadtteil "Blindern" gelegen. Auch ein Abstecher in die Nationalgallerie durfte nicht fehlen.
Da das Wetter wunderschön war, ging es anschließend hoch zum Holmenkollen. Von dort aus hat man einen sehr guten Blick über den Oslofjord und auf Oslo. Im Sommer ist die Landezone der Schanze mit Wasser gefüllt, was im Winter dann wieder abgepumpt wird. Der nächste Punkt auf der Tagesplanung war schließlich der Vigelandsparken, welcher innerhalb zweier Jahrzehnte entstand. Das Gebiet war bereits um 1900 als öffentlicher Park erschlossen, doch erst ab 1924 wurden die heutigen Anlagen Stück für Stück aufgebaut. 1950 standen dann die meisten Skulpturen an ihrem heutigen Platz. Der Park ist beeindruckend und die zwei Male die ich bisher dort war gefiel es mir sehr.
Zum Ausklang des anstrengenden Tages gab haben wir mit ein paar deutschen Erasmusstudenten ein paar Bier im "Evergreen" getrunken. Die Bar ist eine der billigsten im Osloer Stadtzentrum: Hier kostet das Bier "nur" 33 kr. (ca. 4,20 €).

Am Mittwoch musste ich frühs zu einem Kurs an der Uni - und zwar um acht Uhr. Ein Graus, doch irgendwie habe ich es geschafft um sieben aufzustehen, die eiskalte Dusche zu überleben, mein Frühstück schnell runterzuschlingen und pünktlich zum Kurs zu erscheinen. An dem Morgen ging es um den Streit um die norwegische Nationalität zwischen Wergeland und Welhaven... wie dem auch sei. Kurz darauf war ich bei meinem Erasmuskoordinator und habe mit ihm über ein kleines Problem hinsichtlich meiner Wohnung gesprochen. Das dürfte jetzt gelöst sein.
Der Vormittag begann für meinen Kumpel mit einer kleinen Campustour und nem Kaffee in der Kafeteria. Um auch die volle Ladung Kultur zu bekommen, führte uns der Weg ins Munch-Museum. Ab dem ersten Oktober ist der Eintritt kostenlos, das muss genutzt werden. Den Rest des Tages sind wir am Hafen langegelaufen. Leider habe ich davon keine Bilder mehr, da die Akkus meiner Kamera alle waren und die frisch gekauften Akkus nicht aufgeladen waren. Dafür hätte ich fast einen Schock wegen dem Preis erlitten: 169 kr. (21 €)!!! Das war mir in diesem Moment egal, aber im nachhinein ärgere ich mich doch sehr stark dass ich soviel Geld für die Dinger ausgegeben habe.
Am Abend haben wir bei ner Freundin gekocht, die ebenfalls Besuch hatte. Leckeres Essen, guter Alkohol und nette Gespräche. Ein guter Ausklang für die Extremtour durch Oslo. Gegen sechs Uhr klingelte der Wecker am Donnerstag, da der Flug kurz nach 9 Uhr abfliegen sollte. Und der Weg zum Flughafen ist weit. So habe ich meinen Besuch zum Hauptbahnhof gebracht, von wo der Zug zum Flughafen abfuhr.
Seitdem habe ich viel gelesen (und das meine ich ernst), da wieder eine Aufgabe ansteht: Bis Mittwoch muss ich den Anfang einer Hausarbeit für nen Kurs geschrieben haben. Ich hab' noch nicht annähernd genug gelesen, um etwas sinnvolles zu schreiben...

Tour durch Oslo

Dienstag, 2. Oktober 2007

Finally !

Endlich habe ich sie, meine Aufenthaltserlaubnis! Der Gang zur Polizei war eines der ersten Dinge die ich hier in Oslo tat (siehe hier) und nun, nach einer halben Ewigkeit halte ich sie in den Händen: die Karte die es mir ermöglicht hier zu arbeiten. Mal sehen ob ich davon Gebrauch machen werde. Zumindest bin ich jetzt kein illegaler Einwandrer mehr.

In diesem Post möchte einmal beschreiben wie ein Tag hier in Oslo so aussehen kann. Theoretisch wollte ich heute früh joggen, daher war mein Wecker auf halb neun gestellt. Nun... da ich mich krank fühle und ständig niesen muss, war es wohl eine gute Entscheidung den Wecker auszustellen und weiterzudösen. Gegen halb zehn kämpfte ich mich aus dem Bett und begab mich ins Bad. Anschließend gab's ein genüssliches Frühstück.
Bevor ich gegen 12 Uhr in die Stadt fuhr, habe ich noch einen wissenschaftlichen Aufsatz gelesen. Somit war mein studentisches Gewissen beruhigt. In der Stadt habe ich einer Freundin beim Ticketkauf für den Bus geholfen, da wir gestern Probleme hatten. Heute hat auch sie ihre drei Bustickets bekommen. Wo die Reise hingeht wird in einem anderen Post stehen. Lasst euch überraschen...
Anschließend war ich auf dem Campus verabredet und hatte danach von 16 bis 19 Uhr Sprachkurs. Der war nicht sehr spannend - eher einschläfernd. Zum Abschluss des Tages habe ich am Spieleabend im Uglebo teilgenommen, was sehr witzig war. Idiot, Bums, Gnav und Gris hießen die Kartenspiele. Mit Ausnahme von Gnav habe ich alle zum ersten Mal gespielt. So kann ein interessanter Tag hier in Oslo aussehen, morgen gibt es nur eine Hauptbeschäftigung: Lesen und Schreiben.

Sonntag, 30. September 2007

Die Beatsteaks!

Die Türklingel reißt mich gegen 12 Uhr aus dem Schlaf. Noch halb in meinen Träumen fragt mich jemand über die Sprechanlage etwas auf norwegisch. Ich verstehe kein Wort, öffne aber einfach mal die Tür - was sich als Fehler herausstellen sollte:
Zwei nette, freundliche Herren, stehen vor der Wohnungstür und möchten mit mir über Gott und die Welt reden. Mein Vokabular ist auf ein Wort beschränkt: NEI! Das "takk" (danke) habe ich mir gespart.

So begann der Tag nach dem großartigen Konzert der Beatsteaks.
Die "Garage", welche man ungefähr mit dem Magnet in Berlin vergleichen kann, war gestern auf jeden Fall der Club mit den meisten deutschen Gästen. Nachdem sie schon in Stockholm und Helsinki gespielt hatten, kamen die Beatsteaks nun endlich nach Oslo. Ich könnte jetzt viele Worte für die Beschreibung des Abends verwenden, doch kurz gesagt: Es war großartig! Fotos folgen, auch das mit mir und dem Sänger, Arnim.

Sonntag, 23. September 2007

Mal wieder studieren

Der Herbst hat begonnen: die Blätter fallen von den Bäumen, es ist dunkel, die Temperaturen tendieren in den einstelligen Bereich und der Regenschirm wird immer wichtiger. Endlich beginnt die Zeit des Jahres, in der ich mich besonders wohl fühle. Selbstverständlich hilft jetzt der Blick aus dem Fenster zu lernen - was angesichts der vor mir liegenden Aufgaben gar nicht so verkehrt ist.
So bestanden die letzten Tagen vor allem aus geistiger Arbeit, wobei ich mich besonders intensiv meiner HA gewidmet habe. Sie ist zu 99% fertig und wird diese Woche abgeschickt. Ich bin so glücklich, dass dieses Kapitel jetzt ein Ende findet.
Mittlerweile mache ich mir schon Gedanken zu der nächsten Aufgabenstellung, die übersetzt so lautet:

"Untersuche die Entwicklung der politischen Führung im Zeitraum 800-1300. Mache das im Zusammenhang mit ideologischen und ökonomischen Verhältnissen und beziehe die anthropologische Literatur mit ein."

Das ist eine von vier möglichen Aufgabenstellungen, aber da mich die Rolle der Frau (auch wenn sie in Norwegen sowie Island zwischen 800 und 1300 durchaus speziell ist), der "rikdombegrepet" (Reichtumsbegriff) sowie die Kirche und Christianisierung nicht so stark interessieren habe ich mich für die politische Führung entschieden. Sechs Seiten dazu ist jetzt auch nicht die Herausforderung, ich habe eher Respekt vor dem Fakt dass ich das in Norwegisch verfassen muss. Gleichzeitig freue ich mich darauf anzufangen, denn ich will endlich mal einen langen, sinnhaften Text auf Norwegisch schreiben. Gut dass ich Norweger kenne die den für mich kontrollieren werden. Ach ja, der Kurs hat die norwegische, politische Kultur zwischen 800 und 1300 zum Thema.
Am Freitag habe ich zusammen mit Rowena im Uglebo gearbeitet. Wir hatten die Spätschicht, also von 22:30 bis 02:00 Uhr mit anschließendem Putzen. Es hat richtig Spaß gemacht. Wir haben mit zwei weiteren "Internen" stündlich zwischen Bar und Einlass gewechselt. Natürlich gingen an diesem Abend auch Deutsche in den Club, die gerade Urlaub in Oslo machten. Man findet sie überall... diese Deutschen. Je später es wurde, desto torkelnder und schwankender liefen die Gäste am Einlass vorbei. Ab und zu haben einige Norweger mitbekommen dass wir Deutsche sind - und beinahe jeder betrunkene Norweger möchte dann sein "Schuldeutsch" anwenden. Sehr unterhaltsam! Nach dem Aufräumen haben wir unsere Gratisbiere getrunken und ein wenig mit den anderen "Internen" geredet. Mal schauen wie der nächste Freitag verläuft - ich habe noch keine richtigen Plan für meinen Geburtstag. Ich weiß nur: Irgendwas muss ich machen!

Mittwoch, 19. September 2007

Naturnah

Vor ca. einem Jahr habe ich mal beinahe einen ganzen Tag lang an einer Hausarbeit gesessen. Es war meine Erste - und die habe ich nicht mal in Skandinavistik geschrieben. Die Ferien über schritt die Arbeit immer ein wenig voran, bis ich merkte dass nur noch zwei Wochen zum neuen Semester übrig sind. Unter Druck lässt es sich ja bekanntlich am besten arbeiten.
Dieses Mal ist die Situation eine andere: Die HA ist der wichtigste Leistungsnachweis in meinem Skandinavistik-Studium und muss bis zum ersten Oktober fertig sein. Mittlerweile bin ich auch fast durch, doch es ist ein hartes Stück Arbeit. Besonders unschön ist der Blick auf die nächsten Wochen: Bis Mitte Oktober muss ich ca. 9 Seiten norwegischen Text als Vorprüfung für Dezember geschrieben haben. Gelesen habe ich bisher viel zu wenig dafür. Nicht das ich meinen strategischen Optimismus verloren hätte - ich muss nur ständig daran denken.
Bei all dem Stress freuen mich Momente wie heute: Zwei Rehkitze spazierten vor meinem Fenster entlang und grasten fleißig. Es war so unwirklich, diese beiden Geschöpfe zu sehen. Als Stadtmensch kenne ich sowas nicht und bin absolut fasziniert davon. In diesem Moment war ich glücklich. Glücklich hier zu sein, in Sogn - in Oslo - in Norwegen. Es sind die Kleinigkeiten im Leben die man genießen muss. Sie helfen einem Kraft für die großen Aufgaben im Leben zu sammeln.

Sonntag, 16. September 2007

Two Roads

The Road Not Taken


Two roads diverged in a yellow wood,

And sorry I could not travel both

And be one traveler, long I stood

And looked down one as far as I could

To where it bent in the undergrowth;


Then took the other, as just as fair,

And having perhaps the better claim,

Because it was grassy and wanted wear;

Though as for that the passing there

Had worn them really about the same,


And both that morning equally lay

In leaves no step had trodden black.

Oh, I kept the first for another day!

Yet knowing how way leads on to way,

I doubted if I should ever come back.


I shall be telling this with a sigh

Somewhere ages and ages hence:

Two roads diverged in a wood, and I --

I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.


Robert Frost


Impressions

Dienstag, 11. September 2007

Alltag

So langsam kommt eine gewisse Routine in das Leben: die sozialen Gruppen haben sich gebildet, ich realisiere langsam das vor mir liegende Arbeitspensum (ca. 30 Seiten wissenschaftlichen Text auf Norwegisch schreiben sowie ca. 1700 Seiten Text als Pensum lesen) und die Umgebung hat den Reiz des Neuen verloren.
Auch meine Gewohnheiten ändern sich. Konnte ich in Berlin gegen 9 Uhr wunderbar aufstehen, so fällt mir das hier unglaublich schwer. Selbst wenn ich 8 Stunden geschlafen habe. Ich werde also definitv kein Frühaufsteher werden. Nachdem ich mich heute morgen gegen 10 Uhr aus dem Bett gekämpft hatte und nach der kalten Dusche halbwegs wach war, arbeitete ich meine Norwegisch-Hausaufgaben ab. Für die Hausarbeit war heute leider keine Zeit, da es mich kurz vor 16 Uhr noch in das Uglebo zog. So heißt der Studentenclub der Humanistischen Fakultät. Auf dem Campus hat jede Fakultät ihren eigenen Club, bei dem man auch freiwillig arbeiten kann. Nach einem guten Kaffee musste ich dann auch in den Sprachkurs, der diesmal nur bis 18:15 Uhr lief (regulär bis 19 Uhr).
Es ist grauenvoll 2 Stunden am Stück Kurs haben zu müssen, danach bin ich immer unglaublich müde. Den Weg zur T-Bane lief ich mit Hua, meinem chinesischen Mitbewohner. Da er zu seiner Freundin nach Kringsjå fuhr, trennten sich unsere Wege nach einer Station. Kringsjå ist ein weiteres Studentenheim, welches nahe am Sognsvann liegt. Im Vergleich zu dieser Plattenbausiedlung wirkt Sogn wie ein Nobelbezirk., mit seinen - englischen Kleinstädten nachempfundenen - roten Backsteinhäusern. Zu Hause wurde dann noch ordentlich gekocht. Ja, und da ich morgen um 8 Uhr nen Kurs habe, höre ich jetzt lieber auf zu schreiben. Schließlich muss ich es irgendwie schaffen aufzustehen.

Sonntag, 9. September 2007

Granit rockt!

Es gibt zwei Dinge, die Norweger dazu bringen ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen: Alkohol und ein Turboneger-Konzert (in Deutschland: Turbonegro). Seit Freitag kann ich behaupten schon beides erlebt zu haben.
Meine eigentliche Abendplanung sah vor, ein wenig Kultur bei der Kulturnacht zu tanken. Wie in Berlin gibt es auch in Oslo eine Nacht, in der fast alle Museen und kulturelle Einrichtungen zu später Stunde für Gäste öffnen. Doch anstatt mir Führungen durch das Munch- und Ibsenmuseum zu gönnen, entschied ich mich für das "Granittrock". Dieses kleine Festival geht vom siebten bis achten September. Am Freitag spielten zunächst Minor Majority und als Hautband Turboneger. Als Schauplatz diente ein altes Granitbergwerk. Ein Haken hatte die Sache leider: Auf diesem familiengerechten Mini-Festival wurde kein Bier ausgeschenkt und das durchschnittliche Alter der Gäste lag bei 16 Jahren.
Am nächsten Tag sah ich dann den Sänger von Minor Majority bei der T-Banestation "Majorstua" (die T-Bane heißt ausgesprochen Tunnelbahn und erfüllt die Funktion einer U- und S-Bahn). Irgendwie seltsam, ihn völlig unbeachtet von den Leuten mit einem Kinderwagen die Straße runterlaufen zu sehen.

Mittwoch, 5. September 2007

Kolsåstoppen

Ein Grund warum ich die Uni hier in Oslo so liebe ist das "Special Events" Programm. Das gesamte Semester über werden spezielle Ausflüge, Wanderungen, Filmabende, "Coffee Hours" oder Museumstouren angeboten. Für manches muss man zahlen, für vieles nicht.
Zusätzlich werden zwei Trips organisiert, die jeweils vier Mal stattfinden. Der große Ausflug führt nach Fjærland und dauert ein ganzes Wochenende. Für diese bestimmt sehr schöne Wanderung darf man dann auch 2500 kr. zahlen, wobei die Verpflegung mit 150 kr. noch dazu kommt. Ich habe mich für die kleine Variante entschieden: die Besteigung des Kolsåstoppen. Praktischerweise gilt das Osloer Studententicket für den Bus 42, der westwärts bis Kolsås fährt.
Das Wetter gestern war sonnig, was eine wunderschöne Aussicht ermöglichte. Insgesamt bestand unsere Klettergruppe aus sieben Laien und zwei Guides. Wie so oft hier in Oslo bestand der größte Teil der Gruppe aus Deutschen - in diesem Fall waren es vier. Vor diesem Tag war ich nie klettern gewesen, nicht einmal in der Halle. Ich hatte keine Ahnung wie ich auf die Höhe reagieren würde.
Als Treffpunkt war die Bushaltestelle "Toppåsveien" vorgegeben, an der wir uns gegen 15:30 Uhr trafen. Von dort wurden wir noch ein Stückchen berghoch gefahren. Nachdem die Kletterausrüstung und das Essen verstaut waren, begann der Anstieg. De facto war das der körperlich anstrengendste Teil von der ganzen Tour. Aber es lohnt sich, das Panorama vom Gipfel ist atemberaubend. Nach einer kleinen Erholungspause wurde der Einweggrill angeworfen. Doch vor dem Grillen kam erstmal das Abseilen. Ich war extrem aufgeregt, denn allein diese Höhe zu sehen ist das eine - an einem Seil da runter zu laufen das andere. Es war genial! Später am Tag sind wir am gleichen Hang nochmal geklettert, während die Sonne langsam unterging.
Obwohl ich die Nacht zuvor nur 4 Stunden geschlafen hatte, hielt mich das Adrenalin sehr wach. Erst auf der Busfahrt nach Oslo merkte ich wie fertig ich doch bin. Dafür habe ich die Nacht wie ein Baby geschlafen.

Kolsåstoppen