Sonntag, 30. September 2007

Die Beatsteaks!

Die Türklingel reißt mich gegen 12 Uhr aus dem Schlaf. Noch halb in meinen Träumen fragt mich jemand über die Sprechanlage etwas auf norwegisch. Ich verstehe kein Wort, öffne aber einfach mal die Tür - was sich als Fehler herausstellen sollte:
Zwei nette, freundliche Herren, stehen vor der Wohnungstür und möchten mit mir über Gott und die Welt reden. Mein Vokabular ist auf ein Wort beschränkt: NEI! Das "takk" (danke) habe ich mir gespart.

So begann der Tag nach dem großartigen Konzert der Beatsteaks.
Die "Garage", welche man ungefähr mit dem Magnet in Berlin vergleichen kann, war gestern auf jeden Fall der Club mit den meisten deutschen Gästen. Nachdem sie schon in Stockholm und Helsinki gespielt hatten, kamen die Beatsteaks nun endlich nach Oslo. Ich könnte jetzt viele Worte für die Beschreibung des Abends verwenden, doch kurz gesagt: Es war großartig! Fotos folgen, auch das mit mir und dem Sänger, Arnim.

Sonntag, 23. September 2007

Mal wieder studieren

Der Herbst hat begonnen: die Blätter fallen von den Bäumen, es ist dunkel, die Temperaturen tendieren in den einstelligen Bereich und der Regenschirm wird immer wichtiger. Endlich beginnt die Zeit des Jahres, in der ich mich besonders wohl fühle. Selbstverständlich hilft jetzt der Blick aus dem Fenster zu lernen - was angesichts der vor mir liegenden Aufgaben gar nicht so verkehrt ist.
So bestanden die letzten Tagen vor allem aus geistiger Arbeit, wobei ich mich besonders intensiv meiner HA gewidmet habe. Sie ist zu 99% fertig und wird diese Woche abgeschickt. Ich bin so glücklich, dass dieses Kapitel jetzt ein Ende findet.
Mittlerweile mache ich mir schon Gedanken zu der nächsten Aufgabenstellung, die übersetzt so lautet:

"Untersuche die Entwicklung der politischen Führung im Zeitraum 800-1300. Mache das im Zusammenhang mit ideologischen und ökonomischen Verhältnissen und beziehe die anthropologische Literatur mit ein."

Das ist eine von vier möglichen Aufgabenstellungen, aber da mich die Rolle der Frau (auch wenn sie in Norwegen sowie Island zwischen 800 und 1300 durchaus speziell ist), der "rikdombegrepet" (Reichtumsbegriff) sowie die Kirche und Christianisierung nicht so stark interessieren habe ich mich für die politische Führung entschieden. Sechs Seiten dazu ist jetzt auch nicht die Herausforderung, ich habe eher Respekt vor dem Fakt dass ich das in Norwegisch verfassen muss. Gleichzeitig freue ich mich darauf anzufangen, denn ich will endlich mal einen langen, sinnhaften Text auf Norwegisch schreiben. Gut dass ich Norweger kenne die den für mich kontrollieren werden. Ach ja, der Kurs hat die norwegische, politische Kultur zwischen 800 und 1300 zum Thema.
Am Freitag habe ich zusammen mit Rowena im Uglebo gearbeitet. Wir hatten die Spätschicht, also von 22:30 bis 02:00 Uhr mit anschließendem Putzen. Es hat richtig Spaß gemacht. Wir haben mit zwei weiteren "Internen" stündlich zwischen Bar und Einlass gewechselt. Natürlich gingen an diesem Abend auch Deutsche in den Club, die gerade Urlaub in Oslo machten. Man findet sie überall... diese Deutschen. Je später es wurde, desto torkelnder und schwankender liefen die Gäste am Einlass vorbei. Ab und zu haben einige Norweger mitbekommen dass wir Deutsche sind - und beinahe jeder betrunkene Norweger möchte dann sein "Schuldeutsch" anwenden. Sehr unterhaltsam! Nach dem Aufräumen haben wir unsere Gratisbiere getrunken und ein wenig mit den anderen "Internen" geredet. Mal schauen wie der nächste Freitag verläuft - ich habe noch keine richtigen Plan für meinen Geburtstag. Ich weiß nur: Irgendwas muss ich machen!

Mittwoch, 19. September 2007

Naturnah

Vor ca. einem Jahr habe ich mal beinahe einen ganzen Tag lang an einer Hausarbeit gesessen. Es war meine Erste - und die habe ich nicht mal in Skandinavistik geschrieben. Die Ferien über schritt die Arbeit immer ein wenig voran, bis ich merkte dass nur noch zwei Wochen zum neuen Semester übrig sind. Unter Druck lässt es sich ja bekanntlich am besten arbeiten.
Dieses Mal ist die Situation eine andere: Die HA ist der wichtigste Leistungsnachweis in meinem Skandinavistik-Studium und muss bis zum ersten Oktober fertig sein. Mittlerweile bin ich auch fast durch, doch es ist ein hartes Stück Arbeit. Besonders unschön ist der Blick auf die nächsten Wochen: Bis Mitte Oktober muss ich ca. 9 Seiten norwegischen Text als Vorprüfung für Dezember geschrieben haben. Gelesen habe ich bisher viel zu wenig dafür. Nicht das ich meinen strategischen Optimismus verloren hätte - ich muss nur ständig daran denken.
Bei all dem Stress freuen mich Momente wie heute: Zwei Rehkitze spazierten vor meinem Fenster entlang und grasten fleißig. Es war so unwirklich, diese beiden Geschöpfe zu sehen. Als Stadtmensch kenne ich sowas nicht und bin absolut fasziniert davon. In diesem Moment war ich glücklich. Glücklich hier zu sein, in Sogn - in Oslo - in Norwegen. Es sind die Kleinigkeiten im Leben die man genießen muss. Sie helfen einem Kraft für die großen Aufgaben im Leben zu sammeln.

Sonntag, 16. September 2007

Two Roads

The Road Not Taken


Two roads diverged in a yellow wood,

And sorry I could not travel both

And be one traveler, long I stood

And looked down one as far as I could

To where it bent in the undergrowth;


Then took the other, as just as fair,

And having perhaps the better claim,

Because it was grassy and wanted wear;

Though as for that the passing there

Had worn them really about the same,


And both that morning equally lay

In leaves no step had trodden black.

Oh, I kept the first for another day!

Yet knowing how way leads on to way,

I doubted if I should ever come back.


I shall be telling this with a sigh

Somewhere ages and ages hence:

Two roads diverged in a wood, and I --

I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.


Robert Frost


Impressions

Dienstag, 11. September 2007

Alltag

So langsam kommt eine gewisse Routine in das Leben: die sozialen Gruppen haben sich gebildet, ich realisiere langsam das vor mir liegende Arbeitspensum (ca. 30 Seiten wissenschaftlichen Text auf Norwegisch schreiben sowie ca. 1700 Seiten Text als Pensum lesen) und die Umgebung hat den Reiz des Neuen verloren.
Auch meine Gewohnheiten ändern sich. Konnte ich in Berlin gegen 9 Uhr wunderbar aufstehen, so fällt mir das hier unglaublich schwer. Selbst wenn ich 8 Stunden geschlafen habe. Ich werde also definitv kein Frühaufsteher werden. Nachdem ich mich heute morgen gegen 10 Uhr aus dem Bett gekämpft hatte und nach der kalten Dusche halbwegs wach war, arbeitete ich meine Norwegisch-Hausaufgaben ab. Für die Hausarbeit war heute leider keine Zeit, da es mich kurz vor 16 Uhr noch in das Uglebo zog. So heißt der Studentenclub der Humanistischen Fakultät. Auf dem Campus hat jede Fakultät ihren eigenen Club, bei dem man auch freiwillig arbeiten kann. Nach einem guten Kaffee musste ich dann auch in den Sprachkurs, der diesmal nur bis 18:15 Uhr lief (regulär bis 19 Uhr).
Es ist grauenvoll 2 Stunden am Stück Kurs haben zu müssen, danach bin ich immer unglaublich müde. Den Weg zur T-Bane lief ich mit Hua, meinem chinesischen Mitbewohner. Da er zu seiner Freundin nach Kringsjå fuhr, trennten sich unsere Wege nach einer Station. Kringsjå ist ein weiteres Studentenheim, welches nahe am Sognsvann liegt. Im Vergleich zu dieser Plattenbausiedlung wirkt Sogn wie ein Nobelbezirk., mit seinen - englischen Kleinstädten nachempfundenen - roten Backsteinhäusern. Zu Hause wurde dann noch ordentlich gekocht. Ja, und da ich morgen um 8 Uhr nen Kurs habe, höre ich jetzt lieber auf zu schreiben. Schließlich muss ich es irgendwie schaffen aufzustehen.

Sonntag, 9. September 2007

Granit rockt!

Es gibt zwei Dinge, die Norweger dazu bringen ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen: Alkohol und ein Turboneger-Konzert (in Deutschland: Turbonegro). Seit Freitag kann ich behaupten schon beides erlebt zu haben.
Meine eigentliche Abendplanung sah vor, ein wenig Kultur bei der Kulturnacht zu tanken. Wie in Berlin gibt es auch in Oslo eine Nacht, in der fast alle Museen und kulturelle Einrichtungen zu später Stunde für Gäste öffnen. Doch anstatt mir Führungen durch das Munch- und Ibsenmuseum zu gönnen, entschied ich mich für das "Granittrock". Dieses kleine Festival geht vom siebten bis achten September. Am Freitag spielten zunächst Minor Majority und als Hautband Turboneger. Als Schauplatz diente ein altes Granitbergwerk. Ein Haken hatte die Sache leider: Auf diesem familiengerechten Mini-Festival wurde kein Bier ausgeschenkt und das durchschnittliche Alter der Gäste lag bei 16 Jahren.
Am nächsten Tag sah ich dann den Sänger von Minor Majority bei der T-Banestation "Majorstua" (die T-Bane heißt ausgesprochen Tunnelbahn und erfüllt die Funktion einer U- und S-Bahn). Irgendwie seltsam, ihn völlig unbeachtet von den Leuten mit einem Kinderwagen die Straße runterlaufen zu sehen.

Mittwoch, 5. September 2007

Kolsåstoppen

Ein Grund warum ich die Uni hier in Oslo so liebe ist das "Special Events" Programm. Das gesamte Semester über werden spezielle Ausflüge, Wanderungen, Filmabende, "Coffee Hours" oder Museumstouren angeboten. Für manches muss man zahlen, für vieles nicht.
Zusätzlich werden zwei Trips organisiert, die jeweils vier Mal stattfinden. Der große Ausflug führt nach Fjærland und dauert ein ganzes Wochenende. Für diese bestimmt sehr schöne Wanderung darf man dann auch 2500 kr. zahlen, wobei die Verpflegung mit 150 kr. noch dazu kommt. Ich habe mich für die kleine Variante entschieden: die Besteigung des Kolsåstoppen. Praktischerweise gilt das Osloer Studententicket für den Bus 42, der westwärts bis Kolsås fährt.
Das Wetter gestern war sonnig, was eine wunderschöne Aussicht ermöglichte. Insgesamt bestand unsere Klettergruppe aus sieben Laien und zwei Guides. Wie so oft hier in Oslo bestand der größte Teil der Gruppe aus Deutschen - in diesem Fall waren es vier. Vor diesem Tag war ich nie klettern gewesen, nicht einmal in der Halle. Ich hatte keine Ahnung wie ich auf die Höhe reagieren würde.
Als Treffpunkt war die Bushaltestelle "Toppåsveien" vorgegeben, an der wir uns gegen 15:30 Uhr trafen. Von dort wurden wir noch ein Stückchen berghoch gefahren. Nachdem die Kletterausrüstung und das Essen verstaut waren, begann der Anstieg. De facto war das der körperlich anstrengendste Teil von der ganzen Tour. Aber es lohnt sich, das Panorama vom Gipfel ist atemberaubend. Nach einer kleinen Erholungspause wurde der Einweggrill angeworfen. Doch vor dem Grillen kam erstmal das Abseilen. Ich war extrem aufgeregt, denn allein diese Höhe zu sehen ist das eine - an einem Seil da runter zu laufen das andere. Es war genial! Später am Tag sind wir am gleichen Hang nochmal geklettert, während die Sonne langsam unterging.
Obwohl ich die Nacht zuvor nur 4 Stunden geschlafen hatte, hielt mich das Adrenalin sehr wach. Erst auf der Busfahrt nach Oslo merkte ich wie fertig ich doch bin. Dafür habe ich die Nacht wie ein Baby geschlafen.

Kolsåstoppen

Sonntag, 2. September 2007

An einem Sonntag im September

So langsam wird das Wetter hier typisch norwegisch: es ist kalt, sehr wechselhaft und es gibt viel Regen. Perfekt also um eine Hausarbeit zu schreiben. Das ist meine Hauptbeschäftigung an diesem windigen und eher dunklen Tag.
Ein Kontrast zu Samstag: Da stand zunächst eine Führung durch die Nationalgallerie an, welche sehr interessant war. Den Schrei und die Madonna von Edvard Munch einmal direkt vor sich zu sehen ist schon beeindruckend. Auch die anderen Bilder in der Ausstellung sind sehr empfehlenswert. Das zentrale Motiv von norwegischen Künstlern scheint die Natur zu sein, was jedoch bei der schönen Landschaft nicht weiter verwundert.
Nach der Führung machte ich mich dann auf den Weg zum Lidl und ging die Karl Johanns Gata entlang. Mir war gar nicht bewusst wie voll es am Samstag dort sein kann, ich habe mich fast wie auf der Friedrichstraße in Berlin gefühlt. Seltsamerweise kam mir das befremdlich vor - ein Teil des altbekannten hier wiederzuerkennen. Als ob zwei Welten ineinander verschmelzen, die nichts miteinander zu tun haben.
An dieser Stelle möchte ich mich für die Kommentare bedanken. Es ist schön zu wissen, dass ich das hier nicht nur für mich schreibe. Im letzten Post habe ich jetzt ein paar Bilder vom Sognsvann hochgeladen. Mal schauen wie es dort im Winter aussieht.

Meine WG... :-)