Dienstag, 22. Januar 2008

Im Gefängnis

Ich wurde entdeckt! Na ja, zumindest mein Blog - und zwar vom Auswärtigen Amt. Seit ich diesen Weblog schreibe habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ob und falls ja wie leicht man diesen per Google finden kann. Mit den richtigen Wörtern ist das aber ganz einfach...

Bis vor zwei Wochen wusste ich nicht einmal dass das Osloer Gefängnis im Stadtbezirk Grønland liegt - seit letztem Dienstag ist es mir sogar von innen bekannt. Eine der Aufgaben von Botschaften ist die Betreuung von inhaftierten deutschen Staatsbürgern, insofern diese das wollen. Eben ein solcher bat um Kontakt zu uns. Also vereinbarte ich einen Termin mit dem Gefängnis und hatte ein einstündiges Gespräch.
Es war eine spannende Erfahrung und ich muss zugeben dass er ein klein wenig Mitleid in mir geweckt hat. Andererseits wusste er auf was er sich einließ und kannte die Risiken. Nach dem Besuch wurde ein Vermerk geschrieben und soweit es möglich ist kümmern wir uns um seine Wünsche. Mir gefällt der Abwechslungsreichtum meiner Aufgaben, das ist schließlich das was für mich als Praktikant wichtig ist: Ich möchte erfahren welche Aufgaben es am Arbeitsplatz gibt und daraus schließen ob mir dieser Job gefallen könnte. Mal schauen wie mein Fazit im März aussieht, bisher war ich mit meinen Praktika immer sehr zufrieden und umgekehrt.

Ansonsten habe ich diese Woche die Flugtickets für Tromsø gekauft - mal wieder bei Narvesen.
Vom 14.02. bis 17.02. gönne ich mir den vorerst letzten richtigen Urlaub im hohen Norden. Ich komme bei einer guten Freundin unter, die auch letztes Semester in Oslo studiert hat. Sie schwärmt ständig von der Schönheit der Natur, der Stadt und den Nordlichtern.
Ich dachte ich hätte am letzten Wochenende welche über Oslo gesehen. Einige Freunde haben sogar Fotos von den vermeintlichen Nordlichtern gemacht. Wie mir mein Vater dann aber mitteilte (der in Berlin den Wetterbericht des MDR schaut - so kenne ich meinen Dad), waren das nur seltene Reflektionen der Sonnenstrahlung - hervorgerufen durch besondere klimatische Verhältnisse.
Neben den Flugtickets habe ich auch meine Miete für Februar bezahlt - es war meine vorletzte Zahlung an SIO. Der nächste größere Betrag wird für mein Busticket nach Kopenhagen draufgehen. Ich möchte dieses Ticket eigentlich gar nicht kaufen, denn es zementiert meine Abreise aus dieser kleinen, liebenswerten Stadt. Noch ist er fern, doch der Abschied wird mir nicht leicht fallen.

Samstag, 19. Januar 2008

DDR

Früher hatte ich oft das Gefühl Déja Vu's zu erleben, das hat im letzten Jahr abgenommen. Dafür wiederholen sich Themen und Ereignisse umso offensichtlicher. Ein Beispiel:

Letztes Semester hatte ich einen Kurs zum Verhältnis der beiden deutschen Staaten und Nordeuropa zwischen 1945 und 1990. Meine Hausarbeit handelte dann von den "Public Diplomacy" Bemühungen der DDR in Schweden und Finnland zwischen 1960 und 1976. Um neue Fakten zu finden bin ich auch ins PAAA (Politische Archiv des Auswärtigen Amtes) gedackelt und saß in der Woche vor meiner Abfahrt nach Oslo beinahe jeden Tag dort. Wie ich diese Woche dann endlich erfahren habe, hat sich das auch gelohnt - mein Dozent hat mir eine 1,3 gegeben.

Zeit- und Ortswechsel: Eine der ersten Aufgaben in meinem Praktikum an der Botschaft war das Verfassen einer Rede zur DDR-Filmausstellung im Filminstitut in Oslo. Bei dieser Ausstellung werden alte DDR-Filme gezeigt und typische DDR-Gegenstände ausgestellt. Auch meine 5-seitiger Bericht für das AA (Auswärtige Amt) wird sich mit der DDR beschäftigen: Ich werde das Dreiecksverhältnis NO-BRD-DDR beleuchten.
Mittlerweile frage ich mich, ob das außenpolitische Verhältnis DDR-Norwegen nicht sogar genug Stoff für eine Bachelorarbeit bietet. Vielleicht schaffe ich es ja die von mir selbst in meiner HA aufgeworfene Frage umfangreich zu beantworten: "Doch wie hat sich die PD der DDR in Norwegen, das als NATO-Mitglied dem westlichen Bündnissystem angehörte, dargestellt? War es überhaupt möglich mit den üblichen Instrumenten zu arbeiten?"

Was ist diese Woche sonst so passiert? Nun, am Donnerstag wurde die oben erwähnte Ausstellung mit dem Film "Spur der Steine" (mit Manfred Krug) eröffnet. Der Botschafter hat meine korrigierte Rede gehalten. Es war seltsam im Saal zu sitzen und diese Worte zu hören über die ich mir eine Woche zuvor noch den Kopf zerbrochen habe. Gleichzeitig war ich auch ein wenig stolz, denn die Rede ist gut angekommen.
Der Film war beeindruckend, allerdings konnte man sich sehr gut vorstellen dass er in der DDR auf dem Index stand. Im Anschluss spielte die norwegische Musikband "DDR" - ich stand nur einen Meter vor Atle Antonsen (ein bekannter und sehr lustiger norwegischer Comedian)! Norweger die auf deutsch singen wirken sehr putzig. Ich habe den Abend genossen, er hat mir auch geholfen meine Gedanken ein wenig zu zerstreuen.

Sonntag, 13. Januar 2008

Erster Eindruck

Ich komme gerade vom allsonntäglichen Film. Diesmal war's James Bond 007: Moonraker. Ein sehr witziger Film - in einer Szene wird eine "Weltraumschlacht" zwischen Astronauten gezeigt. Selten habe ich in einem James Bond Film so gut gelacht.

In sieben Stunden werde ich wieder aufstehen um zur Botschaft zu fahren. Meine erste Woche dort war sehr lehrreich und hat mir Motivation für die nächsten Monate gegeben. Unter anderem habe ich eine Rede verfasst, statistische Daten recherchiert und Anfragen an die Botschaft bearbeitet. Auch wurde ich für das ein oder andere Seminar angemeldet.
Doch eines stört mich: frühs duschen zu wollen kann in Sogn sehr unangenehm sein. Bis das warme Wasser ankommt muss man mindestens 10 Minuten warten. Nicht gerade das Angenehmste wenn man sich erst gerade wieder ans früh aufstehen gewöhnt. Überraschenderweise komme ich damit sogar ganz gut klar, mit Kaffee kann man schließlich jedes Schlafdefizit kompensieren.
Im näheren Umkreis der Botschaft stehen verschiedene andere Villen und es gibt einige Bäckereien. Tatsächlich war ich auch schon in einer drin - das Ciabattabrötchen mit Schinken kostete nur 50 NOK (ca. 6 €). Irgendwie habe ich aufgehört mir über hohe Preise Gedanken zu machen, sonst könnte ich nachts wohl nicht mehr schlafen.

Es tut gut zu sehen wie die bekannten Gesichter vom letzten Semester wieder zurückkehren. Auch wenn wir nur ein Semester zusammen studiert haben, so hat man zu einigen Leuten enge Verbindungen aufgebaut. Deshalb freue ich mich wieder etwas mit den Leuten zu unternehmen. Sehr interessant sind auch die neuen Gesichter, mal schauen ob sie partymäßig in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten können. Nicht dass ein Austauschsemester sich hauptsächlich ums Feiern dreht - es ist nur ein wesentlicher Bestandteil der Mentalität. Deshalb geht es am nächsten Freitag ins Uglebo, zur Semestereröffnungsfeier.
Vorher, jedoch, gilt es eine Arbeitswoche erfolgreich zu überstehen.

Donnerstag, 10. Januar 2008

Tübingen

Diese kleine, aber feine Universitätsstadt im Süden hat laut Wikipedia 83.649 Einwohner und liegt in der Nähe von Stuttgart. Auf die hiesige Uni gingen im WS 2007/08 ca. 24000 Studierende. Desweiteren sind dort ca. 10.000 Mitarbeiter beschäftigt - der Name Universitätsstadt trifft absolut zu. Warum nun nenne ich all diese Zahlen und Fakten, wo ich mich doch in Oslo befinde?

Der Grund liegt darin, dass ich in meiner Zeit hier unverhältnismäßig viele Leute von dort kennengelernt habe. Als ich am Dienstag bei einem abendlichen Ausflug ins Chateau Neuf erneut auf einen Studenten aus diesem kleinen Städtchen traf, entschied ich mich meine Verwunderung und Ratlosigkeit darüber hier Kund zu tun. Jetzt wohnen zwei Studenten aus Tübingen in meiner Wohnung, letztes Semester hatte ich mit drei weiteren Studentinnen von dort Bekanntschaft gemacht und zu guter letzt war die Sprachmittlerin an der Botschaft zehn Jahre lang Norwegisch-Lektorin in Tübingen. Generell fällt mir die hohe Zahl von Studenten aus dem Süden Deutschlands auf. Noch habe ich keine Begründung für diese Häufung, die vielleicht nur durch meine selektive Wahrnehmung entsteht, aber ich arbeite daran.

Jetzt habe ich mein Gewissen beruhigt, den nächsten Beitrag zu meinen Eindrücken aus der Botschaft gibt's aller Wahrscheinlichkeit am Wochenende.

Samstag, 5. Januar 2008

Erste Woche 2008

Schneechaos im Sørlandet

Sørlandet ("Südland") wird die Region im Süden Norwegens bezeichnet, zu der u.a. Kristiansand gehört. Auch Oslo und Umgebung sind von den starken Schneefällen der letzten Tage betroffen. Heute soll es bis zu 50 cm Neuschnee geben, was ein Blick aus meine Fenster nur bestätigen kann: Es schneit seit den Morgenstunden ununterbrochen. Gegen Abend soll der Niederschlag in Regen übergehen, wodurch sich in Oslo wohl die auch Berlinern bekannte Schnee-Matsch-Mischung bilden wird. So endet diese erste Woche des neuen Jahres mit einem zumindest halbwegs interessantem Ereignis.

Beschäftigungstherapie

Die letzten Tage habe ich mit Lesen, Internet-TV und Museumsbesuchen verbracht. Mittlerweile kenne ich fünfzig Prozent meiner Noten vom letzten Semester. Im Sprachkurs habe ich mündlich ein A (entspricht einer 1) und schriftlich ein C (entspricht einer 3) abgegriffen. Somit habe ich insgesamt ein B. Hätte ich die Klausur nicht fast verschlafen (siehe "Worst Case"), wäre also ein A drin gewesen. Die Zensur für die mündliche Prüfung zählt nämlich mehr. Gut dass mir die Note egal sein kann, da ich sie nirgendwo einbringen kann. Ich würde mich sonst richtig ärgern...
In einem der beiden Kurse wo die Note tatsächlich wichtig ist, habe ich ein B bekommen. Damit bin ich zufrieden, denn ich hatte mit dem Schreiben der Hausarbeit erst ca. eine Woche vor Abgabetermin begonnen.

Abschied und Neuanfang

Ebenfalls in dieser Woche habe ich eine gute Freundin verabschiedet, sie ist jetzt in Tromsø. Nur einen Tag später habe ich einem neuen (deutschen) Erasmus-Studenten im Zimmer eines Mitbewohners übernachten lassen. So schnell ändert sich alles, ab nächster Woche startet das vår-semester (Frühjahrssemester) für die Neuankömmlinge. Das Programm ist das gleiche wie im letzten Semester, nur sind es dieses Mal ca. 250 Austauschstudenten die an der UIO beginnen - im August waren es ca. 600.

Silvester

Zu Silvester wurde aus der Party meines norwegischen Kumpels leider nichts, so wurde der Abend spontan umgeplant. Ich habe mit ein paar Freunden zunächst Abendbrot gegessen. Dabei haben wir die verschiedenen Möglichkeiten für den Abend diskutiert und sind schlussendlich darauf gekommen in eine Bar in der Stadt zu gehen, um anschließend das Feuerwerk am Hafen anzuschauen. Was wir nicht wussten war, dass in Oslo zu Silvester beinahe alle Bars geschlossen oder durch Privatfeiern besetzt sind. Somit endeten wir in Deli De Luca, tranken einen Kaffee und liefen dann zum Hafen. Dort war es schon sehr voll und es wurde fleißig geknallt. Für das Feuerwerk hat sich der Weg gelohnt. Anschließend sind wir zurück nach Sogn gefahren, wo ich mich dann mit nem Neuseeländer (der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft hat) über Sportwagen, Weltgeschichte und religiöse Konflikte unterhalten habe. Dieses Silvester war also sehr ruhig und entspannt.


Impressions