Sonntag, 4. November 2007

Der Jönkjöping-Vorfall

Als Sandra und ich am 27.10. in den Bus Richtung Göteborg stiegen war noch alles in Ordnung. Der Bus war in gutem Zustand und wir hatten einen Platz mit zufriedenstellender Beinfreiheit. Uns war zwar auch bewusst, dass wir gegen 3:25 Uhr aussteigen müssen um zwei Stunden auf den nächsten Bus zu warten - doch dadurch konnten wir noch ein, zwei Stunden länger in Stockholm sein. Die letzte Direktverbindung wäre in den frühen Abendstunden gefahren.

Bis nach Jönkjöping lief alles so wie gedacht, doch an der Umsteigehaltestelle war das erste Problem offensichtlich: Die Bahnhofshalle war geschlossen und es gab keine andere Möglichkeit sich in einem warmen Gebäude aufzuhalten. Der Versuch in einem Hotel unterzukommen scheiterte, da der Rezeptionsmitarbeiter uns freundlich aber bestimmt abwies. Obwohl es nicht besonders kalt war - vielleicht 8 bis 10°: Gefühlt können die Temperaturen in dieser Nacht nicht über 0° gelegen haben.
Da saßen wir nun mit den anderen Umsteigenden vor dem Bahnhofsgebäude und warteten. Auf der anderen Straßenseite standen dunkle und zu dieser Tageszeit verlassene Bürogebäude. Ich weiß nicht genau wie, doch einer der anderen wartenden Fahrgäste hatte es nach ca. einer halben Stunde geschafft sich Zugang zu einem der Bürogebäude zu verschaffen. Zwei weitere folgten ihm, und ein wenig später auch Sandra und ich. Auch wenn der Flur nur schwach beheizt wurde, so war dieser Ort doch weitaus besser als der Bahnhofsvorplatz. Ich habe mich dann ein wenig mit den anderen drei Fahrgästen unterhalten, die alle Schweden waren. In dieser Situation habe ich zum ersten Mal meine interskandinavischen Sprachfertigkeiten in der Praxis probieren können, da ich natürlich Nowegisch gesprochen habe und Schwedisch verstehen musste. Das hat ganz gut geklappt und ne Weile haben die wirklich geglaubt dass ich Norweger wäre.
Nach ca. einer Stunde war die schöne warme Zeit dann leider vorbei, da ein Wachmann seine Routinekontrolle machte und uns rausschmiss. Doch da sollte es nach Fahrplan nicht mehr lange dauern bis der Bus kommen würde. Es wurde 5:35 Uhr... kein Bus in Sicht. Auf der Fahrt hatte wir zwei entgegengesetzte Infos erhalten: Die Umstellung auf Winterzeit würde erst die Busse betreffen die nach 6 Uhr fahren. Auf dem ersten Teil der Fahrt wurde uns erzählt, dass die Zeitumstellung zu einer weiteren Stunde Wartezeit führen würde. Letzters war die richtige Information, was nicht gerade zur Steigerung unserer Laune führte.

Drei Stunden mit sinnlosem Warten in einem kleinen, schwedischen Dorf zu verbringen, ohne die Möglichkeit eines warmen Aufenthalts zu haben gehört nicht zu meinen Lieblingsbeschäftigungen! Wer also jemals die Strecke Göteborg-Stockholm mit Bus fahren möchte, der sollte IMMER die Direktverbindung wählen. Doch immerhin, von den drei Stunden Wartezeit konnten wir fünf Minuten in der Wartehalle verbringen, da diese um 5:30 Uhr (Winterzeit) aufmachte.
Im nächsten Post geht es dann um den sehr schönen Aufenthalt bei Mareike in Göteborg.

P.S.:
Ich habe letzte Woche meine norwegische Personennummer erhalten. Jetzt bin ich also im "Folkeregister" erfasst und darf ein Konto anlegen. Außerdem wurde mein Erasmus-Aufenthalt bis März verlängert, wodurch ich keine Probleme mit meiner Wohnung beim Osloer Studentenwerk bekomme.
Am Freitag war ich bei der Eröffnung der früher erwähnten Ausstellung und habe Laila wieder getroffen. Es war sehr schön mal wieder mit der alten Lehrerin zu sprechen. Sie hat mich auch schon nach Kolbotn eingeladen, wir müssen nur ein passendes Datum finden.

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